Eine Fremdfinanzierung muss die Transaktion ermöglichen und nach dem Vollzug tragfähig bleiben. Entscheidend ist, wie viel Liquidität das zusammengeschlossene Unternehmen verlässlich bereitstellen kann, während es weiterhin Kunden bedient, investiert und Rückschläge auffängt.
In diesem Beitrag
Die gesamte Transaktion finanzieren
Beginnen Sie mit einer Mittelherkunfts- und Mittelverwendungsrechnung. Die Verwendungsseite kann den bar zu zahlenden Kaufpreis, die Ablösung bestehender Schulden, Transaktions- und Finanzierungsgebühren, unmittelbare Investitionen, Integrationskosten und einen Mindestliquiditätsbestand zum Start umfassen. Auf der Herkunftsseite sind zugesagtes Eigenkapital, Akquisitionsschulden und weitere Finanzierungsquellen zu unterscheiden. Aufgeschobene Kaufpreiszahlungen senken den anfänglichen Liquiditätsbedarf, schaffen aber eine künftige Verpflichtung, die ebenfalls modelliert werden muss.
Prüfen Sie, wann jede Finanzierungsquelle verfügbar wird und welche Abrufbedingungen gelten. Eine nicht in Anspruch genommene Kreditlinie kann Liquidität sichern; ihre Verfügbarkeit kann jedoch von Covenants, geeigneten Forderungen oder anderen Bedingungen abhängen. Ein Finanzierungsplan ist unvollständig, wenn er beim Vollzug nur unter der Annahme künftiger Mittel aufgeht, die weder zugesagt noch zugänglich sind.
Operative Erträge in verfügbare Liquidität überleiten
EBITDA ist ein Ausgangspunkt der Analyse, kein Maß für die zur Tilgung von Akquisitionsschulden verfügbare Liquidität. Zinsen, Steuern, Investitionen und Veränderungen des Working Capital beeinflussen das Ergebnis. Unterscheiden Sie Erhaltungsinvestitionen von frei disponierbarer Expansion. Gehen Sie jedoch nicht davon aus, dass notwendige Ausgaben unbegrenzt ausgesetzt werden können, ohne das Unternehmen zu schwächen.
Ein vereinfachtes Jahresbeispiel, alle Beträge in Euro: Ein EBITDA von 3,0 Millionen € abzüglich 0,45 Millionen € gezahlter Zinsen, 0,35 Millionen € gezahlter Steuern, 0,60 Millionen € Investitionen und eines Working-Capital-Anstiegs von 0,30 Millionen € lässt vor planmäßigen Tilgungen 1,30 Millionen € übrig. Nach 1,0 Millionen € Tilgung verbleiben vor weiteren Zahlungspositionen lediglich 0,30 Millionen €. Dies sind beispielhafte Annahmen, keine Maßstäbe für Kreditvergaben.
Liquidität im Negativszenario prüfen, nicht nur niedrigere Erträge
Ein Negativszenario sollte operative Ursachen mit ihren Liquiditätsfolgen verknüpfen. Langsamere Kundenzahlungen können den Finanzierungsbedarf auch bei stabilen Umsätzen erhöhen. Niedrigere Absatzmengen können den Gewinn verringern, bevor Lagerbestände angepasst werden können. Eine verzögerte Integration kann Einsparungen verschieben, während die Umsetzungskosten weiterlaufen. Prüfen Sie diese Effekte gemeinsam, wenn ihr gleichzeitiges Auftreten wahrscheinlich ist.
In einem zweiten Beispiel sinkt das EBITDA auf 2,20 Millionen €. Nach 0,45 Millionen € gezahlten Zinsen, 0,20 Millionen € gezahlten Steuern, 0,60 Millionen € Investitionen und einem Working-Capital-Anstieg von 0,45 Millionen € verbleiben vor Tilgung nur 0,50 Millionen €. Dieselbe planmäßige Tilgung von 1,0 Millionen € verursacht ein Liquiditätsdefizit von 0,50 Millionen €. Bestehende liquide Mittel oder verfügbare Kreditlinien müssten es decken; der Überschuss des ursprünglichen Basisszenarios schließt die Finanzierungslücke dieses Jahres nicht.
Die Finanzierungsstruktur auf das Unternehmen abstimmen
Laufzeitdarlehen, revolvierende Kreditlinien, vermögensbesicherte Finanzierungen und Verkäuferfinanzierungen unterscheiden sich in Rückzahlung und Verfügbarkeit. Die Struktur sollte zu den finanzierten Vermögenswerten und zum Liquiditätszyklus des Unternehmens passen. Saisonaler Bedarf erfordert eine Kreditlinie, die am saisonalen Liquiditätstief verfügbar ist; langfristige Investitionen benötigen ein Rückzahlungsprofil, das Zeit für ihren wirtschaftlichen Beitrag lässt.
Eine hohe endfällige Rückzahlung kann die kurzfristige Liquiditätslage komfortabel erscheinen lassen und zugleich Refinanzierungsrisiken schaffen. Prüfen Sie die Konzentration von Fälligkeiten, Zinsrisiken, verpflichtende Sondertilgungen sowie Beschränkungen zusätzlicher Verschuldung oder Ausschüttungen. Werden Mittel in verschiedenen Gesellschaften oder Währungen erwirtschaftet, prüfen Sie, ob sie den Kreditnehmer rechtzeitig erreichen können, und ziehen Sie für einschlägige Beschränkungen Fachberater hinzu.
Nach dem Vollzug operative Spielräume erhalten
Erstellen Sie eine monatliche Liquiditätsplanung für Akquisition und Integration. Beobachten Sie die niedrigste verfügbare Liquidität, nicht nur den Jahresendbestand. Berechnen Sie Covenant-Spielräume anhand der tatsächlichen Vertragsdefinitionen, die vom internen Berichtswesen oder der zur Transaktionsbewertung verwendeten Kennzahl abweichen können.
Identifizieren Sie vor einer verbindlichen Zusage die bei schwächerer Entwicklung verfügbaren Maßnahmen: langsamere frei disponierbare Ausgaben, zusätzliches Eigenkapital oder vereinbarte Änderungen der Transaktion. Prüfen Sie ihren Zeitbedarf und ihre Glaubwürdigkeit. Eine nachhaltige Struktur erlaubt dem Management, auf operative Rückschläge zu reagieren, ohne sofort auf neue Finanzierungsverhandlungen angewiesen zu sein. Die Schuldentragfähigkeit ist letztlich eine Beurteilung robuster Cashflows und praktikabler Konditionen.
